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Wodurch differenzieren sich Fortführungsprognose (InsO), Fortführungsprognose (HGB)?

9. Juli 2025 / Fortführungsprognose

Wodurch differenzieren sich Fortführungsprognose (InsO) und Fortführungsprognose (HGB)?

Die Fortführungsprognose spielt in der Unternehmenspraxis eine zentrale Rolle.

Doch nicht jede Prognose ist gleich:

Wer den Begriff googelt oder im Rahmen einer Bilanzaufstellung oder Sanierungsberatung damit konfrontiert wird, sollte genau wissen, welche Fortführungsprognose gemeint ist.

Denn insbesondere die Fortführungsprognose nach der Insolvenzordnung (InsO) und jene nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) unterscheiden sich in Zielsetzung, Prüfungsumfang und Konsequenzen deutlich.

In diesem Artikel beleuchten wir die Unterschiede praxisnah, rechtssicher und strategisch.

1. Begriffsklärung: Was ist eine Fortführungsprognose?

Grundsätzlich beschreibt eine Fortführungsprognose die Einschätzung, ob ein Unternehmen seine wirtschaftliche Tätigkeit voraussichtlich dauerhaft fortführen kann.

Dabei geht es stets um eine zukunftsbezogene Beurteilung der Zahlungsfähigkeit und wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines Unternehmens.

Doch in welchem Kontext diese Einschätzung erfolgt, macht einen entscheidenden Unterschied.

2. Fortführungsprognose nach HGB: Bilanzielle Fortführungsannahme

Die handelsrechtliche Fortführungsprognose basiert auf § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB. Hier ist festgelegt, dass bei der Bewertung der Aktiva und Passiva grundsätzlich von der Unternehmensfortführung auszugehen ist, sofern dem nicht rechtliche oder wirtschaftliche Gegebenheiten entgegenstehen.

Zielsetzung

  • Sicherstellung der bilanziellen Werthaltigkeit von Vermögensgegenständen und Schulden
  • Grundlage für die Ansatz- und Bewertungsmethoden der Jahresabschlusserstellung

Prüfungskriterien

  • Liegen ernsthafte Zweifel an der Fortführung vor?
  • Ist eine nachhaltige Zahlungsfähigkeit gegeben?
  • Gibt es Planungen zur Liquiditätssicherung (z. B. Finanzierungszusagen)?
Wodurch differenzieren sich Fortführungsprognose (InsO), Fortführungsprognose (HGB)

Wodurch differenzieren sich Fortführungsprognose (InsO), Fortführungsprognose (HGB)

Konsequenzen

  • Bei positiver Prognose: Ansatz zu Fortführungswerten
  • Bei negativer Prognose: Ansatz zu Liquidationswerten (teilweise erhebliche Abschreibungen)

3. Fortführungsprognose nach InsO: Sanierungsrechtliche Einschätzung

Die Fortführungsprognose im Sinne der Insolvenzordnung (InsO) hat einen anderen Fokus. Sie ist vor allem im Kontext der Überschuldungsprüfung gemäß § 19 Abs. 2 InsO relevant.

Zielsetzung

  • Feststellung, ob Überschuldung vorliegt
  • Grundlage für die Pflicht zur Insolvenzanmeldung

Prüfungskriterien

  • Besteht eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen im Prognosezeitraum (meist 12 Monate) fortgeführt werden kann?
  • Sind Finanzierungsmaßnahmen realistisch umsetzbar?
  • Liegt ein belastbares Sanierungskonzept vor (z. B. nach IDW S6)?

Konsequenzen

  • Bei positiver Prognose: Keine Insolvenzantragspflicht wegen Überschuldung
  • Bei negativer Prognose: Insolvenzantragspflicht innerhalb von drei Wochen

4. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Kriterium Fortführungsprognose (HGB) Fortführungsprognose (InsO)
Rechtsgrundlage § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB § 19 Abs. 2 InsO
Ziel Bilanzierung zu Fortführungswerten Vermeidung der Insolvenzantragspflicht
Zeithorizont mind. 12 Monate i. d. R. 12 Monate
Kriterien Zahlungsfähigkeit, rechtl. Rahmen Sanierungsfähigkeit, Realisierung von Maßnahmen
Konsequenzen Liquidation oder Fortführung in der Bilanz Insolvenzanmeldung oder Fortbestand

5. Praxisbeispiel aus Berlin: Mittelständler in der Krise

Ein Berliner Maschinenbauunternehmen mit 35 Mitarbeitenden stand im 2. Quartal 2024 vor der Frage: Ist das Unternehmen bilanziell noch gesund, oder droht bereits eine Insolvenzantragspflicht?

Ein Steuerberater hatte für den Jahresabschluss 2023 eine Fortführungsprognose nach HGB erstellt. Dabei wurden kurzfristige Kredite und neue Aufträge als positive Indikatoren gewertet. Dennoch herrschten Unsicherheiten bezüglich einer Anschlussfinanzierung.

Ein externer Sanierungsexperte von Fortfuehrungsprognose24.de wurde hinzugezogen, um eine unabhängige Fortführungsprognose nach InsO zu erstellen. Ergebnis: Mit Hilfe eines belastbaren IDW-S6-konformen Konzepts und der Zusage eines Investors konnte eine positive Prognose erstellt und die Insolvenzantragspflicht abgewendet werden.

6. Zwei Prognosen, zwei Ziele – aber ein gemeinsames Risiko

Die Fortführungsprognose nach HGB dient der Bilanzsicherheit. Die Fortführungsprognose nach InsO hingegen entscheidet über Leben oder Tod eines Unternehmens. Beide sind wichtig, unterscheiden sich jedoch in Auslegung und Konsequenz. Unternehmer, Steuerberater und Sanierungsberater müssen diese Differenzierung kennen, um rechtzeitig zu handeln.

7. Kontakt: Professionelle Fortführungsprognose erstellen lassen

Wenn Unsicherheiten bestehen, ob eine positive Fortführungsprognose erstellt werden kann oder muss, ist schnelles und rechtssicheres Handeln gefragt. Fortfuehrungsprognose24.de unterstützt Sie deutschlandweit mit erfahrenen Sanierungsexperten, Wirtschaftsrechtlern und Insolvenzvermeidungsspezialisten.

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Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine rechtliche Beratung. Für individuelle Einschätzungen empfehlen wir den persönlichen Kontakt mit einem unserer Fachberater.